Mullah
Nasrudin fragte seine Zuhörer, ob sie die högste Seeligkeit ohne Umweg, direkt
und ohne Anstrengung erreichen wollten. Ja, Mullah, antworteten alle zusammen,
das wollen wir! Das will ich auch, antwortete Mullah Nasrudin.
Es
ist offensichtlich, dass wir uns darüber klar werden müssen, dass wir selbst
die entscheidende Verantwortung dafür tragen, wie wir unsere Wirklichkeit
gestalten. Wir haben mit uns selbst eine Arbeit zu tun.
Lasst
uns aussteigen, aus unserem zwangmässigen Handeln und Reagieren, sowohl in
unserem Inneren, als auch mit einander. Es ist notwendig, eine neutrale
Perspektive gegenüber unserer Wirklichkeit und uns selbst zu entwickeln; eine
Perspektive die nicht urteilt und verurteilt, sonder uns und unsere Wirklichkeit
auch einfach so sein lässt, wie wir sind. Es geht hier um den Aspekt meines
Selbst, der nur ein Zeuge ist, der sich nicht damit beschäftigt zu urteilen, zu
bewerten, zu verstehen und irgendwas aus all der Information zu machen, die
durch unsere Wirklichkeit fliesst. In den geistigen Traditionen nennt man die
so entwickelte Eigenschaft ”den Stillen
Zeugen”. Nur wenn der Stille Zeuge sich in uns etabliert hat, können wir
anfangen, uns selbst wahrzunehmen und können das Wahre in uns erleben, das was
wir wirklich denken und fühlen.
Dafür
müssen wir sehr aufmerksam werden, müssen alles so deutlich wie möglich erleben
und dabei die Empfindungen im Äusseren und im Inneren ganz für sich selbst
stehen lassen, so etwa, wie eine Serie von Zahlen. Das was geschieht hat seine
eigene Information, unabhängig davon, ob wir etwas damit machen, oder nicht.
Die Wirklichkeit ist wirklich in sich selbst und organisiert sich selbst auf
eine harmonische Art und Weise, völlig unabhängig davon, ob sie von unseren
moralischen Kommentaren bestätigt wird, oder nicht. Es ist so, als ob wir das
Wasser eines Flusses betrachten. Der Fluss hat seine eigene Harmonie und die
Landschaft und die Natur ebenfalls. Genau wie die Natur, so sind auch wir.
Die
Eroberung dieser neutralen Art, sich selbst zu erleben, ist einer der
Eckpfeiler des geistigen Wachstums und der geistigen Erneuerung. Durch sie kann
ich ein Meister der Bewusstheit werden und ich kann die Art meines Verhaltens
wählen. Sie gibt mir eine kontinuierliche Freiheit, mich zu entscheiden und
selbst-bewusst zu werden, wahr gegenüber mir selbst.
Ich
beginne damit, Ja zu meinem gesammten Selbst zu sagen und Ja zu der gesammten
Wirklichkeit, so wie Alles jetzt gerade ist. Ich mache eine Pause von den
normalen Bewertungen und sage Ja zum Sein wie es ist. So bald irgendetwas in
meinem Inneren einen Anspruch auf exklusive Reaktionen und Aktionen erhebt,
sage ich: Nein, jetzt ist Pause, alles darf sein, wie es ist.
Dann
kann ich mich darin üben, meinen inneren Ausgangspunkt zu verschieben, die
Stelle, von der aus ich erlebe. Ich versuche, mich vom Kopf hinunter zum Herzen
zu begeben und versuche, in meiner Aufmerksamkeit herzlich und kontinuierlich
zu sein. Jetzt denke ich, dass der höchste und wichtigste Ausgangaspunkt
liebevolle Kraft ist, die Kraft, die mich erschaffen hat und die in meinem
Herzen wohnt.
Dann
denke ich, dass das Wesen der Liebe Freiheit ist. Tatsächlich sind sowohl
Liebe, als auch Freiheit Teile meiner ursprünglichen Kraft. Der neutrale und
stille Zeuge in meinem Inneren wirkt aus dieser ursprünglichen Kraft heraus mit
passionierter Aufmerksamkeit. Sie ist da, wie das Herz, wie die Sonne, wie die
Natur, und ist ewig jenseits jedes Anspruchs.
Die
schöpfenden Liebe ist die ewige Quelle in meinem Inneren.
Sie
ist der Ausgangspunkt, der erneuert und entwickelt,
der
die Schritte zur Harmonie lenkt.
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